B Politische Partizipation

Indikator

B7

Politisches Engagement

Fokus 2016: Frauen mit Migrationshintergrund

Wie im Gleichstellungsmonitor 2013 auf Basis der SOWI-II-Daten gezeigt wurde, zeigen sich Frauen in unterschiedlichen politischen Aktivitäten (bei der Mitarbeit in einer politischen Partei, in BürgerInneninitiativen, in Projekten der Stadt Wien zur BürgerInnenbeteiligung und in gemeinnützigen Vereinen) weniger aktiv als Männer. Noch deutlich geringer war das politische Engagement von Frauen mit nicht österreichischer Staatsbürgerinnenschaft.

Da keine Aktualisierung der SOWI II-Daten vorliegt, wird im Folgenden auf Basis der Daten des Wiener Frauenbarometers (2015) die politische Partizipation von Frauen mit unterschiedlichem Migrationshintergrund näher beleuchtet.

Entsprechend den Daten des Wiener Frauenbarometers (2015) besteht in der politischen Partizipation wenig Unterschied zwischen Wienerinnen ohne Migrationshintergrund (36%) und Frauen mit Migrationshintergrund EU-/EFTA-Staaten (35%), wohl aber zu Frauen mit Migrationshintergrund Drittstaat (30%) hinsichtlich der Mitarbeit in politischen Parteien, bei BürgerInneninitiativen, Angeboten der Stadt Wien oder in Vereinen. Das geringere Engagement von Frauen mit Migrationshintergrund Drittstaat wird durch ihre rechtlich eingeschränkten Beteiligungsmöglichkeiten, ihren geringeren Bildungsstand, ihre höhere Armutsgefährdung und geringere Zeitressourcen mitbestimmt (vgl. Zandonella, Larcher 2015). Frauen mit Migrationshintergrund weisen aber ein erhebliches Partizipationspotenzial auf, wie die Ergebnisse zur Frage, wieweit sich die Frauen ein Engagement in politischen Parteien, bei BürgerInneninitiativen, bei Angeboten der Stadt Wien und in politischen Parteien vorstellen können, zeigen: Wienerinnen mit Migrationshintergrund weisen mit 67% sowie 64% ein höheres vorstellbares politisches Engagement auf als Frauen ohne Migrationshintergrund (53%).

Deutlich höher als in den in der SOWI II-Erhebung abgefragten vier Kategorien ist die politische Partizipation von Wienerinnen bei Volksbefragungen, Petitionen und Kundgebungen. Zugleich zeigen sich große Unterschiede zwischen den Frauengruppen, hinsichtlich der Beteiligung an Volksbefragungen oder Volksbegehren, da dies mit dem Besitz der österreichischen StaatsbürgerInnenschaft als Voraussetzung zusammenhängt. Beim zivilgesellschaftlichen Engagement in der Flüchtlingshilfe, für politische Themen in sozialen Medien oder auch in religiösen Vereinen sind die Unterschiede je nach Migrationshintergrund geringer bzw. beteiligen sich Frauen mit Migrationshintergrund stärker.

Auch bei den Themen, für die sich Frauen politisch engagieren, erweisen sich die unterschiedlichen Lebenssituationen von Frauen mit und ohne Migrationshintergrund als ausschlaggebend. Frauen mit Migrationshintergrund Drittstaat, die in stärkerem Ausmaß mit Kindern zusammenleben und seltener erwerbstätig sind, engagieren sich eher für Kinder- und Jugendthemen. An Aktionen für den Umwelt- und Tierschutz, für Arbeitsrechte sowie für die Gleichberechtigung von Frauen und Männern beteiligen sich Frauen ohne Migrationshintergrund stärker.

Anmerkung 1

Insgesamt waren nach den Ergebnissen der SOWI II-Erhebung 41 % der Frauen und 49 % der Männer bereits einmal in einer der vier abgefragten Formen politisch aktiv. Männer waren nicht nur in höherem Maß politisch aktiv; sie konnten sich auch deutlich öfter vorstellen, dies in Zukunft zu tun: 73 % der Männer und 65 % der Frauen konnten sich dies vorstellen. Bei Männern stieg das politische Engagement mit dem Alter, während dies bei Frauen in allen Altersgruppen ähnlich hoch blieb. 50 % der Österreicher und 42 % der Österreicherinnen versus 41% der Männer mit nicht österreichischer Staatsbürgerschaft und 26% der Frauen mit nicht österreichischer Staatsbürgerinnenschaft zeigten sich politisch aktiv (SOWI II 2013).