F Kunst und Medien

Resümee

Die Darstellung von Frauen und Männern in Kunst und Medien wirkt sich maßgeblich auf deren Wahrnehmung in der Öffentlichkeit aus und kann zur Verfestigung von traditionellen Geschlechterrollen oder unrealistischen Schönheitsidealen und damit zu Benachteiligungen und Diskriminierungen, aber auch zur Überwindung von stereotypen Rollenbildern beitragen (vgl. etwa Guth 2015; Throm 2015) . Damit kommt der Art der Repräsentanz von Frauen in Medien und Kunst eine große Bedeutung zu, die zunehmend Aufmerksamkeit erhält. Die Art und Weise, wie Frauen und Männer dargestellt werden, ist aber schwer durch quantitative Indikatoren zu erfassen, daher wird im Gleichstellungsmonitor primär die Mitwirkung von Frauen und Männern in Kunst und Medien dargestellt. Die Partizipation von Frauen im Ausbildungs- und Beschäftigungsfeld Kunst und Medien sowie ihre Mitwirkung in Entscheidungsgremien werden sowohl als Indikator für individuelle Zugänge zu diesen Bereichen als auch als Wirkungsfeld für einen diversitätsorientierten Ansatz der Kunst- und Medienrepräsentanz interpretiert.

Sowohl Kunst als auch Medien stellen einen sehr heterogenen Beschäftigungsbereich dar, mit einerseits (wenigen) einflussreichen Positionen und andererseits einer Vielzahl prekärer Beschäftigungsverhältnisse, weshalb mitunter zusätzliche Einkommensquellen zur Existenzsicherung beitragen müssen (vgl. etwa Alton 2006) . Über die Beschäftigten im Kunst- und Medienbereich liegen nur bedingt Daten vor, was unter anderem darauf zurückzuführen ist, dass eine eindeutige Definition dieser Berufsgruppe, vor allem im Bereich Kunst, schwierig ist. Schätzungen gehen aber davon aus, dass Frauen mit jeweils rund 40% unter Kunstschaffenden und JournalistInnen vertreten sind (vgl. Schiffbänker/Mayerhofer 2003; Kaltenbrunner et al. 2007).

Frauen dominieren weiterhin tertiäre Ausbildungen im Bereich Kunst und Medien

Mehr als die Hälfte der Studierenden in Tertiärausbildungen für Kunst und Medien sind Frauen; diese Verteilung hält seit vielen Jahren an. Im WS 2015/16 studierten insgesamt 58% Frauen an den vier Wiener Kunsthochschulen, und in Studienrichtungen im Bereich Journalismus und Medien waren drei Viertel der Studierenden Frauen. Damit ist der Frauenanteil in tertiären Ausbildungen im Bereich Kunst und Medien höher als im Gesamtschnitt aller Wiener Hochschulen . Auch beim wissenschaftlichen und künstlerischen Personal sowie in der Universitätsleitung fällt die Präsenz von Frauen an Kunsthochschulen höher aus als im Wiener Gesamtschnitt. Die kritische Auseinandersetzung mit Gender-Fragen hat an Kunstuniversitäten im Vergleich zu anderen tertiären Ausrichtungen bereits eine lange Tradition und ist meist auch stärker institutionell verankert, bspw. in Form von Lehrangeboten und Arbeitsgruppen, was zu einer positiven Sensibilisierung hinsichtlich dieser Thematik beiträgt und damit wohl auch dazu führt, dass Frauen vermehrt und vereinfacht Zugang zu universitären Leitungsfunktionen haben. Dennoch sind Frauen auch an den Kunsthochschulen in den höheren akademischen Rängen im Vergleich zu ihrem Studierendenanteil unterrepräsentiert: Nur rund ein Drittel der Professuren ist mit Frauen besetzt.

Etwas mehr Frauen in Leitungsgremien im Bereich Kunst, im Bereich Medien weitere Verschlechterung für Frauen

Der Kunst- und Medienbereich zeichnet sich dadurch aus, dass es sich um ein schwer zugängliches Beschäftigungsfeld handelt, was die Berufseinstiegsphase und insbesondere die Besetzung von Entscheidungspositionen betrifft, und vor allem Frauen finden seltener Zugang (vgl. etwa Schelepa et al. 2008). Zwar sind Frauen nun in zwei der drei exemplarisch ausgewählten Institutionen für Kunst – den Wiener Festwochen, der Kunsthalle Wien und den Wiener Symphonikern – in Gremien geschlechterparitätisch vertreten, aber auch hier bleibt ein deutliches Missverhältnis zwischen dem Frauenanteil in tertiären Kunstausbildungen und jenem in Entscheidungspositionen bestehen. Das Leitungsteam der Wiener Festwochen ist mittlerweile ausschließlich durch Männer besetzt. Eine noch deutlichere Diskrepanz zeigt sich im Medienbereich, wo es kaum eine Äquivalenz der in Journalismus tertiär ausgebildeten Frauen zu ihrer Präsenz in Führungspositionen gibt und sich seit 2013 weitere Rückschritte zeigen. In den sieben Wiener Regionalmedien und den fünf in Wien erscheinenden Tageszeitungen sind Frauen in den Geschäftsführungen dreier Medien vertreten (14% Frauenanteil), unter ChefredakteurInnen liegt der Frauenanteil nur bei rund einem Viertel.

Leichter Fortschritt in der Präsenz von Frauen in Entscheidungsgremien der Kunstförderung und im Medienbereich

Frauen stellen in allen Entscheidungsgremien der Kunstförderung der Stadt Wien, also in Jurys, Kuratorien und Beiräten, nun über die Hälfte der Mitglieder. Ein Zuwachs des Frauenanteils zeigt sich in den Bereichen Literatur und Film, während im Bereich Theater der Frauenanteil um 12%-Punkte gesunken ist. In allen anderen Sparten hat sich der Frauenanteil gegenüber 2012 nicht verändert. Auch im Medienbereich zeigen sich positive Entwicklungen, was die Präsenz von Frauen in Entscheidungsgremien betrifft. Jedoch sind Frauen allein im österreichischen Presserat geschlechterparitätisch vertreten, in allen anderen zehn Gremien stellen Frauen weniger als die Hälfte aller Mitglieder. Im ORF erreichen Frauen im Publikumsrat knapp ein Drittel.

Frauen bei Kunstförderungen mit hohem Budgetanteil weiterhin stark unterrepräsentiert

Der in manchen Bereichen stärkere Zugang von Frauen in Entscheidungsgremien der Kunstförderung ändert jedoch wenig daran, dass nach wie vor nur ein sehr geringer Teil der Kunstförderung an von Frauen geleitete Institutionen geht. Im Jahre 2015 entfielen lediglich 24% der im h Frauenkulturbericht gelisteten Förderungen für Kunst der MA 7 – Kultur auf von Frauen geführte Institutionen bzw. durchgeführte Projekte (das sind rund 33 von insgesamt 137 Millionen). Mit 23% liegt dieser Anteil in der Filmförderung der Stadt Wien etwas niedriger und ist seit 2012 um 9%-Punkte gesunken. Auch sind Frauen nach wie vor insbesondere in jenen Bereichen vertreten, die mit einem vergleichsweise niedrigeren Budget ausgestattet sind. D.h. Männer dominieren weiterhin Bereiche mit hohen Budgetverantwortlichkeiten , was sich in mehrfacher Hinsicht nachteilig auf die Position von Frauen auswirkt, da damit Entscheidungsmacht und Bewusstseinsbildung einhergehen (vgl. bspw. Schulz et al. 1997; Künzel 2004; Barz/Meril 2015). Positive Entwicklungen zeigen sich dagegen bei der individuellen Fördervergabe im Bereich Kunst. Im Jahr 2015 fanden sich unter den 43 PreisträgerInnen bzw. StipendiatInnen der Stadt Wien 59% Frauen, während dieser Anteil 2012 noch bei 39% gelegen war.

Rückgang der bei der Werbewatchgroup eingelangten Beschwerden lässt auf zunehmende Sensibilisierung schließen

Die Einrichtung einer Werbewatchgroup für Wien stellt ein wichtiges Instrument dar, um mehr Bewusstsein für sexistische und diskriminierende Darstellungen in der Werbung zu schaffen und BürgerInnen dafür zu sensibilisieren. Die Werbewatchgroup hat in diesem Sinn auch eine präventive Wirkung, da mit werbenden Unternehmen die sich sexistischer Sujets bedienen, direkt Kontakt aufgenommen wird. Eine mögliche Erklärung für sinkende Beschwerdezahlen ist daher eine erhöhte Sensibilisierung beim Thema Sexismus von Seiten der Wirtschaft, was auch weniger diskriminierende Darstellungen in der Werbung bedeutet. Bei der Analyse ist weiter zu berücksichtigen, dass mehrere Beschwerden über ein und dieselbe Werbung als eine Beschwerde gezählt werden. Gerade stark polarisierende und öffentlichkeitswirksame Werbungen wurden in den letzten Jahren von vielen Wienerinnen und Wiener negativ wahrgenommen und bei der Watchgroup mehrfach eingebracht.

Schlussfolgerungen zu den Gleichstellungszielen für Kunst und Medien

Obgleich tertiäre Ausbildungen in Wien im Bereich Kunst und Journalismus stark von Frauen dominiert werden, zeigt sich, dass Frauen längst nicht im selben Ausmaß wie Männer an Kunstförderung und Kunstmanagement partizipieren. Dies zeigt sich vor allem im Medienbereich, in dem Frauen in Spitzenpositionen stark unterrepräsentiert sind. In den Leitungs- und Entscheidungsgremien im Kunstbereich ist eine Erhöhung der Partizipation von Frauen erkennbar, aber auch hier sind Frauen nicht in allen Leitungsebenen geschlechterparitätisch vertreten. Zudem geht lediglich ein geringer Teil der Kunstförderung an von Frauen geleitete Institutionen, weshalb Männer nach wie vor Bereiche mit hohen Budgetverantwortlichkeiten besetzen. Weiterhin zeigen sich Datenlücken bei der Verankerung von Gender-Kriterien in der Vergabe von Förderungen und Preisen sowie bei dem Anteil von Künstler¬Innen mit einer existenzsichernden Beschäftigung. Außerdem gibt es keine durchgehend erhobenen Daten, um die Darstellung von Frauen in den beiden Bereichen Kunst und Medien flächendeckend abzubilden. Jedoch kann die Wahrnehmung problematischer Fälle, wie z.B. in Form von sexistischer Werbung, thematisiert werden.

Anmerkung 1

„No amount of thought or sympathy, no matter how careful or honest, can jump the barriers of experience.“