H Armut und Soziale Sicherheit

Indikator

H8

Arbeitslosengeld und Notstandshilfe

Gleichstellungsziel 3

Zugang zu Sozialleistungen für Frauen

2015 beziehen in Wien rund 41.000 Frauen und 65.000 Männer Arbeitslosengeld oder Notstandshilfe. Gemessen an diesem Durchschnittsbestand der Arbeitslosen erhalten rund 82% der Frauen und 87% der Männer eine Zahlung zur Existenzsicherung; 30% der Frauen und Männer beziehen Arbeitslosengeld sowie 52% der Frauen und 57% der Männer eine Notstandshilfe. Damit fällt der Frauenanteil unter BezieherInnen von Arbeitslosengeld (41%) geringfügig höher aus als jener Männeranteil der Arbeitslosen (40%), gleichzeitig liegt der Frauenanteil unter allen BezieherInnen von Notstandshilfe mit 38% deutlich unter dem Schnitt.

Der geringere Frauenanteil bei den BezieherInnen spiegelt sich in höheren Ablehnungsquoten wider. Ablehnungen von Anträgen für Arbeitslosengeld erfolgen primär durch fehlende Erfüllung der Anwartschaft (v.a. nicht ausreichende Versicherungszeiten). Besonders große Geschlechterunterschiede zeigen sich bei den Ablehnungen der Notstandshilfe mangels Notlage, bei denen der Frauenanteil bei 74% liegt. Durch Anrechnung des Haushaltseinkommens erhalten Frauen häufiger keine Notstandshilfe. Die mangelnde Anspruchsberechtigung kann dazu führen, dass sich Menschen gar nicht erst beim AMS als Arbeitslose oder Arbeitsuchende registrieren lassen.

Die Geschlechterunterschiede steigen bei länger dauernder Arbeitslosigkeit. Dies betrifft nicht nur den Anteil der BezieherInnen, sondern auch die Bezugshöhe. 95% der Frauen erhalten mit der Notstandshilfe einen Tagsatz von maximal Euro 30,- und liegen mit rund Euro 900,- Notstandshilfe im Monat deutlich unter der Armutsgefährdungsschwelle; Männer betrifft dies mit 85%.

Gegenüber 2012 hat sich die Zahl der LeistungsbezieherInnen bei Arbeitslosigkeit von insgesamt 73.000 auf 106.000 um 45% erhöht. Dies ist teilweise auf die steigende Arbeitslosigkeit zurückzuführen, es ist aber auch der Anteil der Arbeitslosen, die eine finanzielle Unterstützung durch Arbeitslosengeld oder Notstandshilfe beziehen, gestiegen: bei Männern von 83% auf 87% und bei Frauen noch etwas stärker von 76% auf 82%.

Gleichstellungsziel 3

Zugang zu Sozialleistungen für Frauen

Anmerkung 3

Bedarfsgemeinschaften decken sich weitgehend mit Haushalten; in einem Haushalt sind aber auch mehrere Bedarfsgemeinschaften möglich. So können beispielsweise eine 50-jährige Mutter und ihr 30-jähriger Sohn zwei Bedarfsgemeinschaften bilden.

Anmerkung 4

Die BMS-BezieherInnen werden hierin mit der Wohnbevölkerung nach Haushaltskonstellation in Beziehung gesetzt. Dabei können Verzerrungen auftreten, weil Bedarfsgemeinschaften nicht immer mit Haushaltskonstellationen übereinstimmen s. Fußnote 3.