Der 2. Wiener Gleichstellungsmonitor

Um die spezifische Situation von unterschiedlichen Frauengruppen (u.a. älteren Frauen, Frauen mit Beeinträchtigungen) näher zu beleuchten, wurde im Wiener Gleichstellungsmonitor 2016 ein Fokus auf Frauen mit Migrationshintergrund gelegt. Der Fokus soll für die zukünftigen Gleichstellungsmonitore jeweils ein anderer sein (bspw. Fokus auf lesbische Frauen). Die Basis für den Fokus 2016 bildet in vielen Bereichen die Erhebung im Rahmen des Frauenbarometers „Frauen mit Migrationshintergründen“, die vom Forschungsinstitut SORA im Jahr 2015 durchgeführt wurde (vgl. Zandonelli, Larcher 2015). Damit kann die jeweilige Situation von Frauen ohne Migrationshintergrund, mit Migrationshintergrund EU und Migrationshintergrund Drittstaat für zentrale Indikatoren verglichen werden. Teils wurde diese Erhebung als Quelle verwendet, wenn für bestimmte Indikatoren aus dem Gleichstellungsmonitors 2013 keine aktuellen Daten vorliegen. Dies betrifft vor allem die Daten der Sozialwissenschaftlichen Grundlagenforschung der Stadt Wien (SOWI-II) aus dem Jahr 2013.

Handlungsleitend war wiederum das Bestreben, eine objektive, datenbasierte Referenz für die Beurteilung von Gleichstellung und Geschlechtergerechtigkeit zu schaffen, damit Veränderungen messbar zu machen, Handlungsfelder für die Gleichstellungspolitik zu definieren oder gesetzte Gleichstellungsziele einer Überprüfung zu unterziehen. Dieses Bestreben ist wesentlich für eine evidenzbasierte Gleichstellungspolitik, um Bereiche zu identifizieren, in denen Frauen noch unterrepräsentiert sind. Viele Beispiele aus der aktuellen und vergangenen Politik zeigen, wie sehr mit subjektiv interpretierten Daten Wirklichkeiten nach den jeweiligen Interessen ausgelegt werden können. Im Gleichstellungsmonitor werden primär amtliche Statistiken verwendet, die von der Magistratsabteilung für Wirtschaft, Arbeit und Statistik (MA 23) oder der Statistik Austria aufbereitet wurden, sowie Administrativdaten, die von unterschiedlichen Magistratsabteilungen der Stadt Wien und anderen Institutionen zur Verfügung gestellt wurden. Die Daten und Statistiken werden in den Indikatoren mit Bewertungskriterien in Bezug gesetzt, die den leitenden Gleichstellungszielen zugrunde liegen. Dementsprechend sollen die Zielsetzungen, Daten, Bewertungsmaßstäbe, die für die Indikatorenentwicklung relevant sind, transparent gehalten werden, während bei komplexen Themen wie z.B. Einkommen, Armut oder Gewalt unterschiedliche Herangehensweisen verfolgt werden. Dies kann mitunter einer einfachen Darstellung des Themas entgegenlaufen und auf den ersten Blick als widersprüchlich empfunden werden. Es soll aber dazu anregen, bei den Definitionen darauf zu achten, welche Grundgesamtheit, Gruppen oder Messgrößen einbezogen wurden.

Ziel des vorliegenden Berichtes ist es, Gleichstellung von Frauen und Männern weiterhin in der Themenvielfalt und Ausdifferenziertheit darzustellen, wie dies mit dem Gleichstellungsmonitor 2013 begonnen wurde. Einige wenige Indikatoren konnten mangels aktueller Daten bzw. durch Veränderung der verwendeten Erhebungen nicht in der gleichen Form weiterverfolgt werden. Durch Berücksichtigung neuer Indikatoren und teilweise veränderter Gliederung der Indikatoren, die aufgrund von Rückmeldungen vom Gleichstellungsmonitor 2013, Datenverfügbarkeit oder Aktualität des Themas sowie des Fokus 2016 Frauen mit Migrationshintergrund hinzugekommen sind, ist die Zahl der Indikatoren von 119 auf 123 im Gleichstellungsmonitor 2016 gestiegen. Für die meisten Indikatoren können zeitliche Entwicklungen veranschaulicht werden, die sich großteils auf den Zeitraum zwischen 2012 und 2015 beziehen, in einigen Bereichen aktueller sind und damit die Situation bis 2016 abbilden. Teilweise liegen jedoch die aktuellsten Daten in früheren Erhebungszeiträumen vor (z.B. beim Einkommen aus selbstständiger Erwerbstätigkeit beziehen sich die aktuellsten Daten auf das Jahr 2013).

Die Darstellung und Interpretation des Gleichstellungsmonitors 2016 bauen auf den Ausführungen des Gleichstellungsmonitors 2013 auf, insbesondere was die Thematisierung der Gleichstellungsproblematik und die Aussagekraft der verwendeten Datengrundlagen betrifft. Informationen zur verwendeten Datenquelle, zum Bezugsjahr und methodische Hinweise zur Aussagekraft der Daten sowie der erfassten Grundgesamtheit komplettieren die Abbildungen und Tabellen. Eine ausführlichere Beschreibung der verwendeten Datenquellen ist dem Datenglossar zu entnehmen.

Anders als im ersten Gleichstellungsmonitor, der den Status quo der Gleichstellung von Frauen und Männern im Jahr 2013 abbildet, steht in den folgenden Monitorberichten die zeitliche Entwicklung der Gleichstellungsindikatoren im Mittelpunkt. Diese werden grundsätzlich als einzelne Maßzahlen dargestellt, die eine einfache Erfassung aggregierter Gleichstellungsgrößen über die Zeit zum Ziel haben. Differenzierungen nach Personengruppen, Sektoren etc. bleiben meist auf die Darstellung der aktuellen Situation beschränkt – außer die Verteilung stellt eine Kernthematik der Gleichstellungsdimension dar, wenn es beispielsweise wie bei der horizontalen Segregation um die Verteilung nach Berufen oder Branchen geht.

Die Interpretation wird bereits durch die Konstruktion der Indikatoren mitbestimmt, indem Daten mit spezifischen Bewertungsmaßstäben miteinander in Beziehung gesetzt werden. Im Mittelpunkt steht die grafische Darstellung der Daten. Die textliche Vermittlung der Indikatoren erfolgt primär beschreibend, d.h., im Sinn von Lesehilfen, durch Hervorhebung spezifischer Unterschiede oder Entwicklungen. In den Zusammenfassungen der einzelnen Themen werden die Datenbeschreibungen zusammengefasst und die Entwicklungen entsprechend den Gleichstellungszielen inhaltlich interpretiert. In der Gesamtzusammenfassung erfolgt eine Zusammenschau der Themen, indem Bezüge zwischen den Entwicklungen in den einzelnen Themen hergestellt werden, aber auch hier grundsätzlich eher beschreibend und mit dem Blick auf Handlungsbedarf. Es wird keine umfassende Analyse der Gleichstellungsproblematik zum jeweiligen Thema angestrebt. Die Beschreibung der Indikatoren wird und soll Fragen über das Zustandekommen von geschlechtsspezifischen Unterschieden aufwerfen. Diese können im Rahmen des vorliegenden Monitors nicht beantwortet werden, sondern erfordern weiterführende Detailanalysen.