Kapitel H

Armut und soziale Sicherheit

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Kapitel H

Armut und soziale Sicherheit

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Indikator H4
Armut und politische Partizipation

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Gleichstellungsziele

Erhöhung der Partizipation von Armut betroffener Frauen

Armut führt nicht nur zu materiellen Einschränkungen in der Lebensführung, sondern verringert auch kulturelle, zivilgesellschaftliche und politische Partizipation. Indikator H4 Armut und politische Partizipation beschäftigt sich mit Unterschieden im politischen Engagement von Frauen und Männern in Abhängigkeit von der (Nicht-)Betroffenheit von Armut. Wie schon bei Indikator H3 wird die Armutsbetroffenheit dabei über die finanzielle Deprivation, d.h., über Einschränkungen der Lebensführung, beschrieben [Anm. 4]. Es wird auch hier wieder auf Daten der Wiener Lebensqualitätsstudie 2018 zurückgegriffen, in der Fragen zum politischen Engagement differenziert nach Aspekten der finanziellen Deprivation auswertbar sind.

Frauen, die von finanzieller Deprivation betroffen sind, zeigen 2018 bei den meisten politischen Aktivitäten eine geringere Beteiligung als Frauen ohne finanzielle Deprivation. So liegt etwa der Anteil von Frauen ohne finanzielle Deprivation, die sich in gemeinnützigen Vereinen oder NGOs engagieren bei 29%, bei Frauen mit finanzieller Deprivation bei 20%. Lediglich bei der Mitarbeit in politischen Parteien liegt die Beteiligung von Frauen mit finanzieller Deprivation um einen Prozentpunkt höher (10%) als bei Frauen ohne finanzielle Deprivation (9%).

Männer ohne finanzielle Deprivation weisen in allen abgefragten Beteiligungsformen ein höheres politisches Engagement als Frauen auf. Dabei ist der geschlechtsspezifische Unterschied bei der Mitarbeit in politischen Parteien (Frauen: 9%, Männer: 17%) und bei Beteiligungsangeboten der Stadt Wien (Frauen: 6%, Männer: 16%) besonders hoch. Bei Beteiligungsangeboten der Stadt Wien ist auch der Unterschied zwischen Frauen und Männern mit finanzieller Deprivation auffällig hoch: Frauen: 2%, Männer: 10%.

Bei finanziell deprivierten Männern sinkt die Beteiligung in allen abgefragten Kategorien im Vergleich zu nicht deprivierten Männern. Besonders stark ist dieser Unterschied mit 15% bei der Mitarbeit in gemeinnützigen Vereinen und NGOs. Dies ist auch die einzige Kategorie, in der finanziell deprivierte Frauen mit 20% eine geringfügig höhere Beteiligung aufweisen als finanziell deprivierte Männer (19%).

Insgesamt weisen Männer ein höheres politisches Engagement auf als Frauen (siehe Kapitel B Politische Partizipation). Grund ist unter anderem die unterschiedliche Verteilung unbezahlter Arbeit zwischen den Geschlechtern (siehe Kapitel D Bezahlte und unbezahlte Arbeit) und die daraus resultierenden geringeren Zeitressourcen von Frauen für andere Aktivitäten. Finanziell deprivierte Frauen beteiligen sich in fast allen abgefragten Kategorien zur politischen Partizipation am wenigsten von allen Gruppen (d.h. von Frauen und Männer mit und ohne finanzieller Deprivation). Damit sind sie in den hier ausgewählten politischen Prozessen weniger stark repräsentiert.

Auch Indikator H4.1 basiert auf den Daten der Wiener Lebensqualitätsstudie. Veränderungen können daher nur für 2013 und 2018 dargestellt werden.

Das Engagement bei Beteiligungsangeboten der Stadt Wien ist 2018 gegenüber 2013 bei Männern mit und ohne finanzieller Deprivation gestiegen, bei Frauen jedoch in beiden Gruppen gesunken, besonders stark bei armutsbetroffenen Frauen: 2013: 11%, 2018: 2%. Die Mitarbeit in gemeinnützigen Vereinen oder NGOs ist gegenüber 2013 in allen Gruppen gesunken bzw. gleichgeblieben, besonders stark ist sie bei armutsbetroffenen Frauen gesunken: 2013: 29%, 2018: 20%. Bei der Mitarbeit in politischen Parteien zeigen sich kaum Unterschiede zwischen den betrachteten Jahren.

Die 2018 erstmals erhobene Frage nach der Beteiligung an Gemeinschaftsaktivitäten in der Wohnumgebung unterstreicht, dass das Engagement von Frauen zwar geringer ist, jedoch mitunter auch in einem anderen Rahmen stattfindet.